Andacht November / Dezember 2026
Perspektivenwechsel

Auf einem Spaziergang an einem der letzten lauen Sommerabende Ende September nehme ich Platz auf einer Bank am Waldrand, die ich erst neulich entdeckt habe. Ich habe mich am Abend noch eine Runde in den Wald begeben.
Auf dem Weg wollte ich Ruhe suchen und mit Gott unterwegs sein, erspüren, was wohl in der Novemberandacht ein gutes Thema sein könnte. Während des Laufens sehe ich immer wieder Hochsitze von Jägern - am Ende so viele, dass ich sie gar nicht mehr zählen kann. Sonst sind mir diese Hochsitze noch nie so zahlreich aufgefallen. Aber ein Jägerhochsitz hat doch nichts mit meiner Andacht zu tun!? Ich überlege, was mir zum Hochsitz einfällt: Jäger, gejagt, in Erwartung, fokussiert, in hab Acht, weite Fläche, Versteck, getarnt, auf der Lauer, ruhig, im Dunklen, verborgen, warten, ausharren, Blick von oben ...
Und während mir so die Worte "Blick von oben" in den Sinn kommen, muss ich an Zachäus denken. Auch er saß oben in einem Baum und wartete... Neugierig und erwartungsvoll war er, als er die Ankunft von Jesus heransehnte. Einen guten Platz wollte er haben, aus sicherer Entfernung wollte er schauen, wer dieser Jesus eigentlich ist. Das Laub des Baumes gab ihm Schutz, vielleicht wollte er verborgen und etwas versteckt sein.
Und dann kam es ganz anders. Vermutlich war es für Zachhäus eine Überraschung, als Jesus ganz gezielt unter seinem Baum stehen blieb, zu ihm hochblickte und ihn direkt mit seinem Namen ansprach.
Zachhäus in seiner Beobachterrolle auf Distanz traf auf Jesus, der die direkte persönliche Begegnung mit ihm auf Augenhöhe sucht. Er sprach und sah ihm ins Herz, schaffte es, dass er aus seinem Schutzraum hinuntersteigt, seine Distanz aufgibt und letztlich sogar in direkter Jesusnähe mit ihm in sein Haus einkehrt.
Perspektivenwechsel: Von der Distanz, dem Beobachter am Wegesrand zum Mittelpunkt im „Ich sehe dich“- Fokus von Jesus.
Zurück zum Bild des Hochsitzes: Natürlich dürfen wir nicht so einfach einen Hochsitz besteigen. Aber in Gedanken wollen wir es mal tun.
Was sehen wir, wenn wir oben im Hochsitz sitzen? Wollen wir auch etwas beobachten? Ist es für uns auch ein gutes Versteck?
Auf was schauen wir herunter? Vielleicht blickst du auf viele Probleme oder Sorgen herab. Vielleicht siehst du viel Traurigkeit und spürst Einsamkeit oder Angst?
Warten wir auf etwas oder jemanden? Vielleicht wartest du auf ein gutes Ergebnis einer Untersuchung, auf die Lösung für finanzielle Probleme?
Was ersehnen wir? Das Erfüllen unserer Wünsche? Vielleicht ersehnst Du aber auch eine Versöhnung oder eine Klärung von Unstimmigkeiten?
Wem oder was jagen wir nach? Dem Glück vielleicht, in der Hoffnung, dass sich das Leben leicht anfühlt?

Und wenn wir uns jetzt vorstellen, dass Jesus unten an unserem Hochsitz vorbeiläuft und zu uns hochsieht, wie würde deine Geschichte mit ihm weitergehen? Würde Jesus zu dir auf den Hochsitz steigen und Platz bei dir nehmen? Würde er von oben mit dir auf dein Leben blicke? Oder reicht er dir die Hand, damit du zu ihm hinuntersteigst und auch einen Perspektivenwechsel eintritt, so wie es bei Zachäus geschah.
Was würde er dich fragen?
Würde er dich zu etwas einladen?
Oder würdest du ihn etwas fragen?
Egal, wo und wie Jesus dir begegnet, er kommt als Freund. Er kommt als derjenige, der deinen Namen kennt und ihn mit Liebe ausspricht. Er möchte mit dir die Dinge, die dein Herz bewegen, anschauen. Sein Wunsch ist es, mit dir gemeinsam in deinem Leben unterwegs sein, um dir in deinem Leben zu begegnen.
Wenn er zu uns hinaufsteigt, setzt er sich neben uns in den Raum unserer Sorgen. Er schaut mit uns hinab auf das Gewirr in unserem Leben. Er sagt: "Ich sehe, was dich bedrückt und ich bin mit dir. Ich kenne deine tiefsten Wünsche und sehe deine Sehnsüchte. Lass uns gemeinsam dein Leben gestalten, ich weiß, was gut für dich ist!"

Wenn Jesus uns einlädt, vom Hochsitz herunterzukommen, ist es seine Einladung an uns, in Gemeinschaft mit ihm unterwegs zu sein. Er holt uns von unserem versteckten Platz hinunter. Er bietet uns seine Hand an, damit wir es wagen, aktiv Schritte mit ihm gemeinsam zu gehen, sodass er uns gut führen kann
Manchmal ist es gut, wenn ich etwas Abstand gewinne und mein Leben aus der Vogelperspektive wie von einem Hochsitz aus betrachte. Der Perspektivenwechsel, der andere Blickwinkel tut manchmal gut und bringt eine neue Sichtweise auf das, was mein Leben bewegt. Manchmal ist ein solcher Perspektivenwechsel nötig, um aus dem eigenen Drehen auch Anderes wieder zu erkennen und sich neu auszurichten. Letztlich aber ist das nicht die Lösung unserer Fragen oder Probleme. Erst wenn Jesus zu uns stößt und mit uns auf unser Leben blickt, mit uns durch unser Leben geht, kann die Last aufbrechen, die uns beschwert. Dein Blick darf sich von den Erschütterungen deines Lebens zu Jesus hinwenden. Und er blickt dich mit Liebe an und sagt:
„Wenn du durch tiefes Wasser gehen musst, bin ich bei dir. Wenn du Ströme überqueren musst, werden sie dich nicht ertränken!“

Wie gut, dass ich weiß, dass ich hier im Gespräch mit Jesus unterwegs sein darf. Er stößt zu mir, so wie damals bei den Emmaus Jüngern. Er geht einfach mit, erklärt mir Zusammenhänge, öffnet mein Herz, schenkt mit wieder etwas Luft und einen neuen Blick. Im Gebet darf ich ihm alle meine Gedanken sagen und er wird sich nicht verschließen, sondern mir begegnen.
Ich wünsche dir in den kommenden Wochen in der Dunkelheit des Novembers, aber auch in der Adventszeit, wenn die Lichter der Hoffnung heller strahlen, dass du immer wieder Jesu Hand in deiner spürst.
Lauft mit Ausdauer auf dem Weg, der vor euch liegt! Schaut dabei auf Jesus, den Anfänger und Vollender eures Glaubens!
Gottes Segen für dich!
Seeigel für den November/Dezember 2026
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