Ungewollt kinderlose Ehepaare leben in einer besonderen Spannung:  Da ist der Wunsch nach Kindern, der sich (bisher) nicht erfüllt hat – und gleichzeitig die Ehe, die Gott uns geschenkt hat. Ein großes Geschenk! Manchmal nimmt der Schmerz über das Fehlende so viel Raum ein, dass (die Freude über) das Vorhandene aus dem Blick gerät.

Die Ehe ist ein wunderbares Geschenk Gottes. Zwei Menschen machen sich auf einen gemeinsamen Lebensweg. Sie sind als Team zusammengestellt: Sie ergänzen sich, sie freuen sich zusammen, sie leiden zusammen, sie ringen um manches, sie sind herausgefordert, aber sie sind nicht allein.

Wie funktionieren eigentlich Beziehungen? Keine einfache Frage, obwohl wir uns doch alle jeden Tag in zig Beziehungen befinden und Begegnungen haben. Jede Beziehung (so auch die Ehe) besteht aus einem Ich, einem Du und einem Wir und diese drei müssen genau zu gleichen Teilen, also zu jeweils 1/3 vorkommen (Dialogprinzip nach Dr.Mirriam Prieß https://mirriampriess.de/).

In allen Beziehungen, auch in der Ehe, liegt die Kunst darin, alle drei Ebenen im Blick zu behalten. Gott hat Mann und Frau nicht dazu geschaffen, ihre Persönlichkeit aufzugeben und in einer Beziehung zu verschmelzen. Jeder bleibt ein einzigartiges Geschöpf Gottes – mit eigener Geschichte, eigenen Gaben, Gedanken und Bedürfnissen. Es gibt weiterhin ein „Ich“ und ein „Du“. Und doch entsteht durch die Ehe etwas Neues: ein „Wir“. Dieses „Wir“ ist mehr als gemeinsames Wohnen, gemeinsame Termine oder gemeinsame Entscheidungen. Es ist eine von Gott gestiftete Verbundenheit. In 1. Mose 2,24 heißt es:

 

„Darum wird ein Mann seinen Vater und seine Mutter verlassen und seiner Frau anhangen, und sie werden ein Fleisch sein.“ 

Aus zwei Menschen wird eine Einheit, ohne dass ihre Individualität verloren geht. Aus dem Ich und dem Du entsteht ein Wir – nicht indem einer verschwindet, sondern indem beide sich in Liebe und Treue einander zuwenden – auch nicht indem sie eine Symbiose bilden, sondern indem sie durch ihre starke Verbindung zweier Individuen ein starkes Team bilden.

Eine starke Ehe lebt deshalb weder nur vom „Ich“ noch nur vom „Du“, sondern von einem gesunden Gleichgewicht des „ich“, „du“, „wir“. Dort, wo ich Verantwortung für mein eigenes Leben übernehme, wo ich meinem Ehepartner mit Liebe und Respekt begegne und wo wir gemeinsam unser „Wir“ pflegen, kann die Ehe-Beziehung wachsen und reifen.

Vielleicht ist gerade dieses „Wir“ eines der kostbarsten Geschenke, die Gott uns anvertraut hat. Dazu gehört auch die Sexualität, die sich in dem Halbsatz „und sie werden ein Fleisch sein“ widerspiegelt. Sexualität gehört zur Ehe dazu, mitten rein – nicht einfach so ein Nebeneffekt. Gott hat sich das von Anfang an so gedacht. Da steht nichts davon, dass die Sexualität nur dazu da ist, dass Kinder gezeugt werden. Ein riesengroßes Geschenk, das Gott uns macht und das es zu bewahren gilt. 

 

Interessant ist ohnehin, dass die Bibel nicht mit der Familie oder mit Kindern beginnt, sondern mit einer Ehe. Als Gott Adam erschaffen hatte, sagte er:

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“
(1. Mose 2,18)

Gott sieht die Einsamkeit des Menschen und schafft ihm ein Gegenüber. Eva wird nicht als Ergänzung zu Kindern geschaffen, sondern als Geschenk für Adam. Gott schafft die Ehe nicht als Notlösung gegen Einsamkeit, sondern als Geschenk der Gemeinschaft. Noch bevor es Familie, Nachkommen oder Generationen gibt, schenkt Gott Gemeinschaft zwischen Mann und Frau.

Adam reagiert voller Freude:

„Diese endlich ist Gebein von meinem Gebein und Fleisch von meinem Fleisch!“
(1. Mose 2,23).

Die Tiere, die zuvor schon da waren, und denen er allen ihre Namen geben durfte (stellt euch vor, wie Adam vor einem lustig aussehenden gelben Tierchen sitzt und es in aller Ruhe „Axolotl“ nennt; was muss das ein Spaß für Adam gewesen sein, alle Tiere zu sichten und ihnen Namen zu geben – 1. Mose 2, 19+20 ????) haben als Gegenüber nicht genügt, es musste ein weiterer Mensch her. 

Bei Adam begegnet uns Staunen, Dankbarkeit und Wertschätzung. Adam sieht das Geschenk Gottes vor seinen Augen. Das ist auch für uns als Ehepaar eine Einladung: Immer wieder neu den Menschen anzuschauen, den Gott an unsere Seite gestellt hat. 

Liebe und Respekt – zwei Grundbedürfnisse

Der christliche Eheberater Emerson Eggerichs beschreibt in seinem Buch „Liebe und Respekt“ ausführlich den Gedanken, der auf Epheser 5,33 zurückgeht:

„Jeder von euch liebe seine Frau wie sich selbst; die Frau aber erweise dem Mann Respekt.“

Eggerichs betont, dass Männer und Frauen zwar beide Liebe und Respekt brauchen, oft aber unterschiedliche Schwerpunkte wahrnehmen. Viele Konflikte entstehen, wenn sich die Frau ungeliebt fühlt oder der Mann sich nicht respektiert fühlt.

Drei Gedanken daraus können unsere Ehe stärken:

  1. Liebe und Respekt sind keine Belohnung
    Wir schenken sie nicht erst dann, wenn der andere alles richtig macht. Jesus begegnet uns täglich mit Gnade. Ebenso sind wir eingeladen, unserem Ehepartner mit einer Haltung der Liebe (für die Ehefrau) und des Respekts (für den Ehemann) zu begegnen – auch an schwierigen Tagen. Die Frage lautet nicht: „Hat mein Partner es heute verdient?“ Sondern: „Wie kann ich heute Liebe und Respekt sichtbar machen?“   
     
  2. Hinter vielen Konflikten steckt ein unerfülltes Bedürfnis
    Manchmal streiten wir über Kleinigkeiten. Doch oft geht es um etwas Tieferes. Vielleicht steckt hinter einer kritischen Bemerkung die Sehnsucht nach Wertschätzung. Hinter einem Rückzug vielleicht der Wunsch, verstanden zu werden. Wenn wir lernen, hinter die Worte zu schauen, können wir einander mit mehr Barmherzigkeit begegnen.   
     
  3. Wertschätzung verändert Atmosphäre
    Jeder Mensch blüht dort auf, wo er gesehen und geachtet wird. Ein ehrliches „Danke“, ein aufmerksames Zuhören oder eine kleine Ermutigung können mehr bewirken als lange Diskussionen. Wertschätzung ist wie Sonnenlicht für eine Beziehung.

Die Kraft des Dialogs

Ich habe weiter oben bereits das Dialogprinzip von Dr. Mirriam Prieß erwähnt. Vereinfacht gesagt geht es darum, dass echte Begegnung entsteht, wenn drei Dinge zusammenkommen:

  • Ich nehme mich selbst wahr.
  • Ich nehme mein Gegenüber wahr.
  • Ich bleibe in Verbindung.

Für die Ehe bedeutet das:

Wenn mich etwas verletzt, muss ich meine Gefühle zunächst selbst wahrnehmen. Dann versuche ich, meinen Ehepartner wirklich zu verstehen. Und schließlich suche ich das Gespräch, statt mich zurückzuziehen oder anzugreifen.

Ein Satz wie: „Als das passiert ist, habe ich mich traurig gefühlt. Kannst du mir helfen zu verstehen, wie du die Situation erlebt hast?“ öffnet oft mehr Türen als Vorwürfe.

Gerade Paare mit unerfülltem Kinderwunsch erleben Belastungen, die andere Ehen vielleicht nicht kennen. Umso wichtiger ist es, nicht gegeneinander zu kämpfen, sondern miteinander auf dem Weg zu sein. Nicht: Wer hat recht? Sondern: Wie finden wir gemeinsam einen Weg?

Dankbar für das Geschenk der Ehe

Kinder sind ein Geschenk Gottes – leider haben wir dieses Geschenk nicht oder noch nicht erhalten. Doch auch die Ehe selbst ist ein großes Geschenk. Gott hat Adam nicht zuerst den Auftrag gegeben sich zu mehren, sondern einen Menschen an die Seite gestellt.

Nimm dir einen Augenblick Zeit für folgende Fragen und Gedankenimpulse:

  • Für was in deiner Ehe bist du besonders dankbar? 
  • Was schätzt du an deinem Ehepartner?
  • Lebt ihr gleichermaßen vorkommendes „Ich – Du – Wir“, oder hinkt das Dreieck, bzw. kommt ein Teil nicht oder nicht mehr vor? 
  • Wo möchte ich Liebe und Respekt neu einüben? 
  • Wo möchte ich das Gespräch suchen anstatt mich zurückzuziehen? 

Gott hat euch als Ehepaar zusammengeführt. Er sieht eure Freuden, eure Fragen, eure Hoffnungen eure Nöte, Enttäuschungen und Verletzungen. Und mitten in all dem gilt:

„Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“

Deshalb hat Gott euch einander geschenkt.

Gebet

Herr Jesus Christus, danke für den Menschen, den Du an meine Seite gestellt hast, meinen Ehepartner (Name einsetzen). Danke für unsere gemeinsame Geschichte, für alle schönen Erinnerungen und auch für die Wege, die wir nur mit Deiner Hilfe gehen können.

Schenke uns Herzen voller Liebe und Respekt. Hilf uns, einander zuzuhören, einander zu verstehen und wertzuschätzen. Bewahre uns davor, uns im Schmerz über Unerfülltes zu verlieren, und öffne unsere Augen für die Geschenke, die Du uns bereits anvertraut hast.

Segne unsere Ehe. Stärke unsere Verbundenheit. Lass unsere Beziehung ein Ort sein, an dem Deine Liebe sichtbar wird.

Amen.


Tine für Juli / August 2026

Bilder: 
1&2) https://pixabay.com 
3) privat

Quellen: 
    • Die Kraft des Dialogs – Gelingende Beziehungen mit dem Dialogprinzip – privat, beruflich und zu mir selbst (Dr. Mirriam Prieß; südwest Verlag) 
    • Liebe & Respekt – Die Nähe nach der sie sich sehnt; die Anerkennung die er sich wünscht (Emerson Eggerichs, Verlag Gerth Medien)