Andacht Mai 2026
Er in mir und ich in ihm

Als Zimmermannstochter weiß ich, dass ein Baum möglichst gerade, astfrei und hochgewachsen sein sollte, um als Nutzholz zu dienen.
Dennoch faszinieren mich die krummen, schiefen, verletzten und kurios gewachsenen Bäume. Für vieles sind sie nicht mehr zu gebrauchen, aber sie sind einzigartig und besonders.
Kommen wir uns nicht auch manchmal unnützlich vor, weil unser Leben eben nicht geradlinig verlief? „Wir passen in kein Schema“, so formuliere ich es mittlerweilen öfter.
Wo denken und erleben wir, dass wir ohne Kinder nicht reinpassen in diese Welt, vielleicht sogar weniger wert sind?

Nicht immer können wir den Dingen so ausweichen wie dieser Baum.
Manchmal reibt uns das Leben eher auf, bedrängt uns und engt uns ein oder will uns niederringen. Hin und wieder findet man alte Streuobstwiesen, auf denen sich die Bäume in eine Richtung neigen. An Klippen und Steilhängen trifft man diese schrägen Bäume auch an. Der ständige Wind, der ständige Druck hat sie gebeugt, manche sogar richtig verwunden.
Welchen Kräften, Erlebnissen, Gedanken bist du gerade ausgesetzt?
Was setzt Dir zu, so dass Du nicht mehr aufrecht stehen kannst?
Mich begeistert es, wie lebensnah die Worte der Bibel sind und so heißt es in 2. Korinther 4, 8-10:
„In allen Lebenslagen werden wir bedrängt, aber wir werden nicht erdrückt.
Wir befinden uns in ausweglosen Situationen, aber wir verlieren dabei doch nicht unseren Lebensmut.
Wir werden verfolgt, sind aber dennoch nicht verlassen.
Wir werden zu Boden geworfen, aber wir gehen dabei nicht zugrunde.
Zu jedem Zeitpunkt tragen wir das Sterben von Jesus an unserem eigenen Körper herum, damit dann auch das Leben von Jesus an unserem Körper sichtbar werden kann.“
Die Worte fordern mich, vielleicht auch Dich heraus und sind gar nicht so leicht, wenn man niedergedrückt und bedrängt wird.
Ich will Euch Mut machen, hier Glaubens- und Gebetsunterstützung dazu zu holen.
Bäume brauchen am Anfang Baumstützen, so dass sie Halt finden, ihre Wurzeln ausbilden können.
Ich persönlich brauche diese Stützen immer mal wieder, wenn eine neue Lebensetappe, ein neuer Wachstumsprozeß ansteht.
Bedrängt, aber nicht erdrückt – davon zeugen die windschiefen Bäume und damit machen sie mir, vielleicht auch Dir, immer wieder Mut. Sie zeigen, dass es weiter geht, dass es Hoffnung gibt.

„Jahr um Jahr legt er sich einen Ring zu; einen Ring, der gezeichnet ist von einem guten oder schlechten Jahr.
Schmale Ringe sind ein Zeichen für trockene Jahre.
Einseitig gewachsene Rinde zeigt, wo die Schattenseite und wo die Sonnenseite war.
Alle Verletzungen, die der Baum erlitten hat, finden sich in den Jahresringen wieder.
„Jedes Mal, wenn unser prachtvoll geschmückter Planet einen weiteren Lauf um die Sonne vollendet, schenkt Gott jedem Baum einen neuen Jahresring. Für uns macht die Uhr bloß „tick“ und ein weiteres Jahr ist vergangen.“
(aus: Bäume, die vom Leben erzählen (1))
Inmitten der Kinderlosigkeit fühlt sich manches Jahr weniger wie ein „tick“, sondern vielmehr wie ein schmerzhaft gezogener Jahresring an. Da gab es Jahre der Trauer, Einsamkeit, auch des Verlusts vielleicht von eigenen Kindern.
Und doch können wir in den Jahresringen auch Gottes Treue, sein Versorgen ablesen.
Vielleicht schreibst, malst, denkst oder zeichnest Du Deine bis jetzt erlebten Jahresringe mal auf.
Was durftest Du erleben?
Was musstest Du durchleben?
Wo hast Du besonders Gottes Fürsorge erlebt?
Und wo hast Du Dich von Gott verlassen gefühlt?

Der finale Abschluß der Jahresringe ist die Rinde, die Borke, die sich rings um den Stamm legt.
Im Sequoia-Nationalpark bei den Mammutbäumen ist diese bis zu einem halben Meter dick. Eine wahre Schutzmauer, die auch Waldbränden locker standhält.
Nicht immer ist unsere Schutzhaut so dick und so geht manche Verletzung tief und hinterlässt seine Spuren. Manche Spuren bleiben und doch lerne ich hier von den Bäumen, dass auch Verletzungen überwunden werden können.
Wieder sind es die Wahrheiten, die Verheißungen, die Zusagen der Bibel, die mitten hineinsprechen in dieses Erleben.
Jesaja 43, 2
„Wenn du durch tiefes Wasser oder reißende Ströme gehen musst – ich bin bei dir, du wirst nicht ertrinken.
Und wenn du ins Feuer gerätst, bleibst du unversehrt. Keine Flamme wird dich verbrennen.“
Philipper 4, 13
„Ich kann alles bewältigen durch den, der in mir mit seiner Kraft wirkt.“
Diese Wahrheit, dieser Zuspruch, diese Verheißung gilt, weil Gott zu seinem Wort steht.
Nicht immer fallen mir, vielleicht auch Euch diese Wahrheiten leicht. Nicht immer können wir sie glauben, aber ich will daran glauben, für Euch glauben, mit Euch glauben, dass diese Worte wahr sind und Gott wirklich und wahrhaftig zu seinem Wort steht.
Und ich glaube, dass wir alle von dieser einzigartigen Treue Gottes erzählen können.

Ein ganz anderes äußeres Erscheinungsbild sehe ich immer wieder in der Platanen-Allee gesehen, die ich auf dem Arbeitsweg habe.
Die Platanen werfen ihre Borke, ihre Rinde ab, weil sie in diesem Augenblick wachsen.
Im Frühjahr gab es viel Feuchtigkeit und die Temperatur hat gepasst. Somit fangen die Bäume an, auch in die Breite zu wachsen, und dabei werfen sie ihre Rinde ab.
Wo ist es auch bei mir dran, Dinge abzulegen und Neues auszuprobieren?
Ich merke, dass es nicht immer nur äußere Umstände sein müssen, manchmal ist es auch dran, innerliche Sicht- und Denkmuster aufzugeben und neue anzunehmen.
In der Bibel gibt es einige Beispiele dafür, dass Gott in die Weite führen möchte.
Tatsächlich ermutigt er, vielleicht gerade uns kinderlose Paare, in Jesaja 54 ab Vers 2:
„Vergrößere dein Zelt! Spann die Zeltdecken weiter aus! Spare nicht! Verlängere die Seile und schlag die Pflöcke fest ein! Denn du wirst dich nach allen Seiten hin ausbreiten“
Verse, die mich immer wieder herausfordern, überfordern und doch irgendwie auch wieder ermutigen.
Wie sieht unsere Rinde aus?
Haben wir uns eine dicke Mammutbaumrinde angelegt oder hat uns Gott mit dieser dicken Schutzmauer sogar beschenkt?
Wo sind wir vielleicht auch gerade dünnhäutig, weil wir grad verletzbarer sind, weil Veränderung ansteht, weil Gott uns herausfordert Neuland zu betreten?
Ein Mammutbaum wird keine Platanen-rinde haben und eine Platane wird sich nie eine 50cm dicke Borke zulegen.
Bei uns Menschen habe ich den Eindruck, dass wir manchmal mit beidem herausgefordert und beschenkt sind.
Inmitten von dünnhäutigen Phasen kann Gott seinen dicken Schutzmantel um uns legen und manchmal gräbt sich eine Kleinigkeit an einer dünnhäutigen Stelle tief in diesen Schutzmantel rein und verletzt uns tief.
Genau wie Bäume sind und bleiben wir verletzlich und sind angewiesen auf Gott den Schöpfer und Erhalter allen Lebens.
Die Rinde umschließt den Baum, schützt ihn auch auf eine Art und Weise.
Gott sichert Dir und mir zu, dass er uns von allen Seiten umschließt und er seine schützende Hand über uns hat.
Von Jahresringen durchzogen und mit Rinde umschlossen gibt der Baumstamm dem Baum seine Festigkeit und transportiert Wasser und Nährstoffe.
Als sich meine Gedanken so rund um den Baumstamm drehten kommt mir ein weiterer Aspekt.
ER in mir und ich in IHM.
Wenn ich Ja zu Jesus gesagt habe, dann lebt ER in mir, ist in mir. SEINE Versorgung ist in mir. Jesus ist es, der mir Festigkeit gibt.
Inmitten des Sturms, des Verbogen-werdens, des Formungsprozeßes nehme ich das oftmals nicht wahr. Dennoch steht Gott treu zu SEINEM Wort und da heißt es, dass ER da ist, in mir ist.
Innerlich stärkt und festigt mich Jesus – manchmal nehme ich das gar nicht, oder nur ganz sachte wahr, manchmal ist es unübersehbar und deutlich spürbar.
Von außen bin ich von Jesus umgeben.
Er hat alles auf sich genommen, hat alles getragen, ja, „Von allen Seiten umgibt er mich und hält seine schützende Hand über mir.“
Mögest Du erleben, dass ER in Dir und Du in IHM bist.
Simone im Mai 2026
eine gekürzte Version eines Impulses während des "Gemeinsam unterwegs" 2024
Bilder:
privat
Zitat:
1) Bäume, die vom Leben erzählen
