Andacht Juni 2026

Seelenruhe finden, wenn sich das Lebenskarussell dreht

Im Moment geht es in meinem Leben gerade ziemlich rasant zu. An verschiedenen Stellen haben sich Dinge und Lebenssituationen verändert oder sind dazu gekommen. Da bin ich in der äußeren und inneren Ruhe manchmal ziemlich gefordert und es fällt mir noch schwerer, in wirkliche erholsame Ruhe zu kommen. Und eigentlich ist es ja logisch, dass mehr Dichte und Schnelligkeit eigentlich auch mehr Ruhe fordern. Aber in den Ruhephasen dreht sich dennoch oft das Gedankenkarussell weiter.
Die schönen Dinge, die dazu kommen und einfach mehr Zeit einfordern, lassen sich meist gut integrieren und plötzlich darf Anderes kleiner werden. Aber, was ist mit den Dingen, die belastend sind, die das innere seelische Gleichgewicht in Unruhe versetzen, wo Ängste sich breit machen, die Unruhe nicht weichen will? 

„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“

Matthäus 11,28

Ruhe - Jesus ermutigt, alles abzulegen. Echte Ruhe. 

Wie kann das gelingen? 

Wenn sich das Gedanken- oder Lebenskarussell dreht, ist es für mich oft schwer, die Ruhe zu suchen, die ich brauche, um Jesus zu begegnen. Dann tauche ich selten in seine echte Ruhe ein, was wiederum zu keiner Abgabe meiner Gedanken und Sorgen an ihn führt. Das dreht sich dann irgendwie im Kreis...

Der Vers, der uns allen sicher bekannt ist, ist eingebettet in folgenden Kontext

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir;
denn ich bin gütig und von Herzen demütig;
und ihr werdet Ruhe finden für eure Seele.
Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir.
Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.
Das Joch, das ich euch auflege, ist leicht
und was ich von euch verlange, ist nicht schwer zu erfüllen.“

Matthäus 11, 28-30

Das klingt erstmal seltsam: Wir dürfen unsere Lasten ablegen. Gleichzeitig aber bekommen wir eine Last auferlegt. Durch beides werden wir Ruhe finden für unsere Seele…  

Jesus vergleicht uns Menschen hier mit Lasttieren, die ein Joch zu tragen haben. Er spricht in Vers 29 von meiner Seele, die zur Ruhe kommen darf. Somit bezieht sich das Wort "Lasten" wohl vor allem auf die innere Unruhe, die Lasten, die unsere Seele niederdrücken wollen, die uns in Erschöpfung und Müdigkeit, in Schlaflosigkeit oder Ängste treiben. 

Was ist eigentlich diese sogenannte Seelenruhe? Ich denke an diesen Kreislauf: Hektik, Sorgen führen zu Unruhe, zu wenig Zeit mit Gott, dies wiederum zu weiterer Hektik und innerer Unausgeglichenheit. Ruhe schafft Verbindung und damit Beziehung zu Gott. Im Umkehrschluss brauchen wir Ruhe, damit wir mit unserer Seele zu Gott kommen können, um überhaupt unsere Lasten und Sorgen vor ihm ablegen und mit ihm besprechen können. 

Und letztlich ist es nur Gott, der diese Ruhe schenken kann. Wie ist ein Ausweg aus dem ruhelosen Lebenskarussell möglich? 

Gott hat uns in seinen Rhythmen, die er schuf, immer wieder einen Ausstieg in eine Ruhe möglich gemacht: Tag und Nacht, Woche und Sonntag. Gott schuf Ruhephasen, die wir nutzen könnten, um ihm zu begegnen, wenn wir es schaffen, aus unseren hektischen Kreisläufen auszubrechen. 

Gott weiß, dass unsere Lasten uns erdrücken können. Deshalb nahm er unsere größte Last, unsere Sünden, auf Jesus Schultern und konnte uns so schon einen riesigen Teil dieser Seelenlast abnehmen. Noch heute steht er dafür mit offenen Armen und wartet auf uns, um uns zu erleichtern. 

"Er bietet jedem, der seine Bedürftigkeit erkennt und ihm seine Sünden übergibt, Leben, Annahme und Ruhe an."

Wir können alles bei Jesus ablegen, was uns beschwert - und das nicht nur sonntags oder nachts, sondern IMMER.

 

Was beschwert dich?

  • Negative Gedanken? 
  • Das Gefühl, wertlos zu sein? 
  • Lieblosigkeit? 
  • Das Gefühl, alles schaffen zu müssen? 
  • Die täglichen Kleinigkeiten des Alltags, die zusammen genommen ein ganz schöner Berg sind? 
  • Die Sorge um Menschen, die uns anvertraut sind? 
  • Worte, die trafen, Verletzungen, die nicht heilen wollen? 
  • Verantwortung, die du tragen musst?
  • Das Leiden an einer Krankheit?
  • Angst vor dem, was uns die Zukunft bringt?
  • Eigene Ansprüche, mit denen wir uns unter Druck setzen?

Wie oft versuchen wir all das aus eigener Kraft "zu erledigen/alleine zu schaffen", kommen dann in den Strudel der inneren und äußeren Unruhe und finden den Ausgang nicht ...

Ich ermutige Euch, der Einladung von Natalie Abbott folgen, die dazu einlädt, "das Ablegen deiner Last und das Eintreten in die Ruhe zu einer täglichen Gewohnheit zu machen".2 Sie schlägt vor, morgens und abends den Bibelvers aus Matthäus 11, 28 zu sprechen und Jesus alles zu geben, was dich bedrückt und um Ruhe für deine Seele zu bitten. 

Sie verweist aber auch noch mal auf das Joch, das in Matthäus 29 steht. Was hat das also mit uns und unserer inneren Ruhe zu tun? 

Natalie Abbott schreibt, dass unsere Seelen neben Ruhe auch eine sinnvolle Beschäftigung benötigen. Auch das spiegelt sich im Rhythmus, den Gott uns in diese Welt gelegt hat, zwischen Arbeit und Ausruhen wider. Nur eine gesunde Balance von beidem kann uns wirklich in eine innere Ausgeglichenheit und Kraft führen. 

Was oder wie muss Arbeit/Beschäftigung also beschaffen sein, dass sie uns nicht überfordert? Darauf findet die Bibel eine Antwort. Gott gab uns von Anfang an in 1. Mose 1, 28 einen Auftrag für diese Welt. Er möchte, dass wir uns um die Schöpfung kümmern und die Erde in Besitz nehmen. Wir dürfen mit ihm zusammen seinen Willen umsetzen, im Zusammenwirken mit dem Schöpfer. Letztlich braucht er uns dafür nicht, denn er alleine kann diese Erde regieren. Er lädt uns aber dazu ein, mit ihm zusammen für und auf dieser Erde zu leben und auf und an ihr zu arbeiten. In dem Fall fordert er keine Leistung von uns, sondern er bietet uns an, mit ihm und zu seiner Ehre an seinem Werk zu arbeiten. Er hat uns so gestaltet, dass wir, ohne in Überforderung zu kommen, durch ihn und seine Kraft in dieser Welt mit unseren Händen und unserem Kopf einen Unterschied machen können. Das kann dann gelingen, wenn wir in seinen Spuren für unser Leben unterwegs sind. Wenn wir uns nicht durch unsere Arbeit definieren und durch sie Macht, Geld und Anerkennung anstreben, sondern durch sie Gottes Liebe verbreiten.

Wenn wir unter der Herrschaft von Jesus leben, weil er gut ist, weil er sanft ist, weil er demütig ist und uns so sehr liebt, erleben wir echte Ruhe. 

Für uns Menschen ist Ruhe und Arbeit oft ein Gegensatz und nicht miteinander zu vereinbaren. Es gibt eine scharfe Grenze zwischen der Arbeit und der (absoluten) Ruhe/Entspannung. Wenn man überlegt, was Gott am siebten Tag in der Schöpfungsgeschichte tut, dann ist es das, was entstanden ist, wohlwollend zu betrachten. Es wird nichts mehr verändert, es wird bei dem belassen, was/wie es ist. Und vielleicht ist es genau das, was uns immer wieder etwas runterkommen und auch zur Ruhe kommen lässt:

Es ist also viel mehr die Art und Weise unserer Einstellung, die uns antreibt, die uns erschöpft. Vieles von dem, was uns belastet, was wir immer wieder drehen, werden wir, vor allem dann, wenn wir müde und erschöpft sind, in diesem Augenblick nicht verändern. Dennoch fällt es uns sehr schwer, ein Stopp zu machen, ein Ende zu finden, wenn wir das Gefühl haben, etwas ist nicht fertig oder gelöst.
Manche Menschen gelingt es, quasi auf Knopfdruck zur Ruhe zu kommen, ja sogar zu schlafen. Anderen hingegen liegt das überhaupt nicht. Gerade für diese Menschen ist es wichtig, sich klar zu machen, dass man etwas für einen Moment abschließen muss, um es nach einer Ruhephase wieder mit mehr Kraft und Energie aufzunehmen. Es ist, wie ein Ja zur Ruhe zu finden, um später auch wieder ein kraftvolles Ja zur Arbeit zu finden. 

Deswegen ist es wichtig, sich ganz klar, auch wenn man unfertige Dinge noch vor sich hat, zu sagen: Für diesen Moment ist es gut, es ist nicht fertig, es könnte besser sein, aber für diesen Moment ist es gut. Später nehme ich die Sache wieder auf. Für diesen Moment ist es fertig, egal ob es der Hausputz, eine Aufgabe in der Arbeit, das Kümmern um einen anderen Menschen, ... ist. Wenn man sich nicht selbst ein Ende setzt, wird man nie ein Ende finden, denn irgendjemand arbeitet immer. Es ist also eine Frage der eigenen Einstellung und Priorität, den Rhythmus zwischen Arbeit und Ruhen, den Gott uns geschenkt hat, im Leben zu integrieren und zu bejahen. 

Die Idee von Tomas Sjödin, einen Vertrag mit dem Ruhetag zu schließen, könnte vielleicht helfen, diesen Ausstieg aus dem Tun leichter zu finden. Er merkte, dass er die Unbekümmertheit verloren hatte, "ein Schläfchen zu halten, noch einen Moment liegen zu bleiben oder aber aufzustehen und sich ein wenig treiben zu lassen und dem Aufmerksamkeit zu schenken, was braucht, um zu wachsen."3 Ebenso, dass "es keine Tage mehr gab, in denen er im Haus herumstreunte, […] oder einfach nur die Zeit verbummelte."4

In Jesaja 58, 13 und 14 steht: 

"Wenn du am Sabbat deinen Fuß zurückhältst, deine Dinge nicht erledigst an meinem heiligen Tag und den Sabbat eine Lust, das Heilige des Herrn ehrwürdig nennst und ihn ehrst und nicht deine Gänge machst, deinen Dingen nicht nachgehst und keine Worte machst, dann wirst du deine Freude haben am Herrn."

Freude kann nur dann schwingen, wenn ich die Zeit und Ruhe habe, sie zu empfinden. Eine belastete Seele, ein gehetzter Körper hemmen dabei. 

Es geschieht an langen Abenden, wenn wir die Teller beiseitegeschoben
und die Beine hochgelegt haben
und wenn in unser Reden Ruhe gekommen ist,
dass ich Gottes Gegenwart am stärksten spüre.
5

 

Erst wenn ich meiner Unruhe und meinen Aufgaben ein klares „Für den Moment ist es gut“ entgegenstrecke, kann ich Freude empfinden, die mir neue Kraft gibt. Freude klingt dann in mir, wenn ich in Ruhe in die Beziehung zu Gott und meinen Mitmenschen eintrete und ich wirklich da bin. 

Ist das Seelenruhe? 

Jesus sagt:
Ihr werdet Seelenruhe finden,
wenn Ihr zu mir kommt, wenn Ihr euch meiner Idee für Euer Leben unterordnet
und wenn Ihr euch entscheidet, von mir zu lernen und mir nachzufolgen.
Denn ich bin sanftmütig und gerecht.
Ich will Euch erquicken. 


Seeigel im Juni 2026

Bilder: 
https://pixabay.com / KI generiert (Gemini)

Zitat: 
1) Natalie Abbott, Vera Schmitz: Vom Kopf ins Herz – Gottes Wahrheit neu verankern, Hänssler2026, S. 210.
2) ebd. S. 213
3) Tomas Sjödin, Warum Ruhe unsere Rettung ist – Stell dir vor, du tust nichts und die Welt dreht sich weiter, 
   SCM 2019, S. 78
4) ebd. S. 78
5) ebd. S. 100