Immer mal wieder entdeckt man beim Spazierengehen entwurzelte Bäume. 
Mächtig sehen sie aus, die Wurzeln, die ein großes Loch hinterlassen haben. 
Faszinierend sehen sie aus, die großen und dicken Hauptwurzeln, die durch ein Geflecht von kleinen Verbindungen umwoben werden. 

Entwurzelt - der Baum, der nun am Boden liegt. 
Er bringt mich ins Nachdenken. 

Was sind meine Wurzeln? Wann fühle ich mich verwurzelt oder entwurzelt?

Manchmal fühle ich mich ganz sicher und fest verwurzelt: in meinem Leben, in meinem Glauben. Dann wieder habe ich das Gefühl, dass mich Situationen, Dinge, Worte schnell umhauen könnten. 

Welche Wurzeln sind es bei dir, die dich tief im Boden verankert sein lassen?

Welche Stürme sind es, die dich ins Wanken bringen? 
Halten deine Wurzeln Stand, sind sie tief genug eingegraben, stabil und fest?

 

Die Freude an Gottes Wort 1 Glücklich ist der Mensch, der nicht dem Vorbild der Frevler folgt und nicht den Weg der Sünder betritt. Mit Leuten, die über andere lästern, setzt er sich nicht an einen Tisch. 2 Vielmehr freut er sich über die Weisung des Herrn. Tag und Nacht denkt er darüber nach und sagt Gottes Wort laut vor sich hin. 3 **Er gleicht einem Baum, der am Wasser gepflanzt ist. Früchte trägt er zu seiner Zeit, und seine Blätter welken nicht.** Alles, was er tut, gelingt ihm gut. 4 Anders ist das bei den Frevlern: Sie gleichen der Spreu, die der Wind vom Dreschplatz fegt. 5 Darum können die Gewalttätigen vor dem Gericht nicht bestehen. Und für die Sünder ist kein Platz in der Gemeinde der Gerechten. 6 Ja, der Herr achtet auf den Weg, den die Gerechten gehen. Doch der Weg der Gewalttätigen führt in den Untergang.

Psalm 1 (Basisbibel)

In Psalm 1,3 ist von einem Baum die Rede, der gut (gepflanzt) verwurzelt ist: Er bekommt Nahrung an seinem Wasserbach, trägt Früchte und seine Blätter welken nicht. 
Der Baum scheint durch gute Nahrung starke Wurzeln auszubilden, die ihn wachsen, reifen und blühen lassen. 

Wurzeln scheinen uns also nicht nur im Boden festzuhalten, sondern auch beim Wachstum und Blühen zu helfen.

Zudem scheint die Beschaffenheit des Bodens, in dem sie sich befinden, wichtig zu sein.

Verglichen wird dieser Baum in Psalm 1 mit dem Menschen, der sich an Gottes Wort hält, sich nicht den Lästerern und Sündern anschließt.

Wir scheinen also in unserem Leben mit Bedacht wählen zu müssen, worin wir uns verwurzeln (Beschaffenheit des Bodens) und auch, welche Wurzeln wir wählen, um uns fest im Boden zu verankern. 

Jeder von uns verwurzelt sich in ähnlichen Dingen.  Alle haben wir die Wurzeln in unserer Familie, in unserer Heimat. Jeder individuell. Unsere Herkunft und Prägung machen einen Großteil unseres Wurzelgeflechtes aus. Für viele ist dieser Heimathafen eine besonders dicke Wurzel, die sie durch ihr gesamtes Leben trägt. Bei anderen können ungute Beziehungen, Schwierigkeiten, Neid, Streit und Missgunst, Missbrauch oder Leid jedoch auch instabile Wurzeln sein. In solchen Fällen ist es sicher wichtig, diese Wurzel loszulassen oder durch Gottes Hilfe tragen zu lernen.
Andere Wurzeln, die sich im Verlauf unseres Lebens ausbilden, sind sicher unsere eigenen Werte und Meinungen, Sicherheiten und Traditionen. 

Alles in allem prägt unsere Glaubenswurzel. Und umgekehrt prägt unsere Glaubenswurzel alle Werte, Meinungen Sicherheiten, ... .

Vielleicht ist die Glaubenswurzel bei manchen die tiefste und dickste Wurzel, die im Boden verankert ist. Bei anderen ist sie vielleicht einfach noch zart und sucht noch Halt. Bei wieder anderen ist sie vielleicht das Zwischengeflecht zwischen allen Wurzeln, das alles verbindet. 

Die Glaubenswurzel zu nähren und stark zu machen, so scheint es in Psalm 1, ist eine wichtige Aufgabe.

"2 Vielmehr freut er sich über die Weisung des Herrn. Tag und Nacht denkt er darüber nach und sagt Gottes Wort laut vor sich hin."

Psalm 1, 2

In Vers 2 erfahren wir, wie unsere Beziehungswurzel zu Gott gestärkt werden kann. Das Verweben und darüber Nachdenken über Gottes Wort ist genauso stärkend wie Gottes Weisheiten/Weisungen zu folgen.
Die Weisung wird in anderen Übersetzungen als "Gesetz" übersetzt. 
Jesus hat uns vor allen Dingen ein Gesetz gegeben, das Liebesgebot: Matthäus 22,37 f: 

"Du sollst den Herrn, deinen Gott lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! Das ist das größte und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst!"

Die wichtigste Wurzel, die wir also in unserem Leben in den Boden graben können, ist,
in Gott und in seiner Liebe zu verwurzeln.

Diese Wurzel ist unter Umständen für manchen von uns auch die schwerste. 

Da klopft sie wieder an, die Frage, wie ich mit Gott eine starke Beziehung leben kann. Jede/r von uns hat da seine eigenen guten Erfahrungen und sein eigenes Scheitern. 
Mit Jesus Beziehung zu leben, sieht für jeden ein wenig anders aus – so wie auch jeder Mensch seine Freundschaften anders (er-)lebt. 
Beziehung lebt von Kommunikation, Zeit, Leben miteinander zu teilen. 
So ist es auch mit Gott: Mit ihm entwickelt sich nur eine tiefe Beziehung und somit die Gewissheit, dass ich in seiner Liebe verwurzelt bin, wenn ich mit ihm rede und mein Leben mit ihm teile, seinen Gedanken für mich folge.  

Wir sehen es auch jetzt im Frühling: Pflanzen, die über die frostige oder trockene Zeit im Boden verwurzelt blieben, haben genug Energie, um wieder auszuschlagen. 

Es wachsen Frühlingsblätter.

So ist es auch bei uns: Die Verbindung mit und zu Gott schenkt uns Energie, Kraft und Hoffnung. Wenn wir tief in ihm, unserem besten Nährboden, verwurzelt bleiben, können wir sicheren Halt gewinnen, weil wir wissen, wer uns nährt und hält.

In der Sicherheit verwurzelt zu sein, dass Gott uns nie seine Liebe entziehen wird, ist eine Gewissheit, die unsere Glaubenswurzel dick und stark machen darf.

Gott geht uns nach, selbst dann, wenn wir uns mal verirren und zum Zweifler oder Lästerer werden. Selbst dann bleibt er der, der meinen Boden mit Liebe tränkt und meine Wurzel gesunden lassen möchte. 

Wenn jede unserer einzelnen Lebenswurzeln (Familie, Prägung, Werte, Traditionen, …) mit der Hauptwurzel verbunden ist oder aber die Haupt-Glaubenswurzel das starke Verbindungsgeflecht unter ihnen ist, dann wird unsere Lebenswurzel stark und tragend. 

Dann können wir sicher stehen, erblühen und Frucht bringen.

Ich wünsche dir und mir, dass wir mit Geduld und Zuversicht unsere Glaubenswurzel stärken, uns Gottes unerschütterlicher Liebe bewusst sind. 

Herr, wir bitten dich darum, dass du unsere Wurzeln stark machst in dir.
Lerne uns zu vertrauen, dass deine Liebe trägt, wenn wir in ihr verankert sind.
Du möchtest unser Lebensboden, unser Halt unsere stärkste Wurzel sein.
Danke, dass wir durch dich in unserem Leben Halt und Liebe finden können.
Amen. 


Seeigel im April 2026

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