Thomas ist uns bekannt als der große „Zweifler“.
Wobei ich hier meine Zweifel habe, ob dem wirklich so ist.

Er gehört zu den zwölf Jüngern.
Zwilling bedeutet sein Name und so ist es wahrscheinlich, dass er wirklich ein Zwillingskind war.
Vielleicht ist er ja auch unser Zwilling – was Zerbruch, Zweifel und Neuanfang betrifft.

Thomas war eher der Pessimist in der Truppe der Jünger. Jesus hat ihn in die Nachfolge gerufen und Thomas gab sich mit Haut und Haar hin.
Sein ganzes Leben, seine ganze Liebe galt Jesus. Auf gar keinen  Fall wollte er getrennt von Jesus sein. Er war bereit, mit Jesus in den Tod zu gehen. Das wird in dem Gespräch zwischen Jesus und seinen Jüngern deutlich, nachdem Lazarus gestorben ist.

 

Dann wollen wir auch mitgehen, damit wir zusammen mit Jesus sterben.

So lesen wir es in Johannes 11, 16

Thomas ist mutig – in seiner Hingabe, aber auch mutig darin, nachzufragen, auch mal zu hinterfragen.

Und dann stirbt Jesus.

Thomas ist nicht dabei, stirbt nicht mit Jesus.
Sein Lebenstraum, alles wofür er gelebt hat ist dahin, durchstochen und gekreuzigt.

John McArthur schreibt dazu:

„Möglicherweise fühlt sich Thomas im Stich gelassen, abgelehnt, verlassen. Es war vorbei.

Der, den er so sehr liebte, war gegangen, und es riss ihm das Herz aus dem Leib.

Er war nicht in der richtigen Stimmung, um sich unter Menschen zu begeben.
Er war untröstlich, niedergeschlagen, am Boden zerstört.
Er wollte nur allein sein.
Er konnte das ganze Gerede einfach nicht aushalten. Im Moment konnte er keine Menschen um sich haben, nicht einmal seine Freunde.“

Kommt Dir das bekannt vor?
Vielleicht hat sich der ein oder andere von uns auch mutig und hingebungsvoll in das Abenteuer mit Jesus gestürzt.

LET'S DO IT!

Wow – was es da alles zu erleben gab.
Nichts sollte Dich von ihm trennen.

Und dann der Tiefschlag.

Lebensträume wurden zerschlagen,
Dein Herz durchstochen.

Vielleicht erlebst Du das gerade, weil eine Diagnose, eine Tatsache, eine Entscheidung, Dir die Hoffnung auf eine eigene Familie zerstört.

Du ziehst dich zurück, willst nur noch allein sein – trauern – enttäuscht sein.

Aus dem hingebungsvollen "do" wird "doubt".

 

 

Thomas nimmt sich das Recht zu zweifeln.
Das griechische Wort für zweifeln ist "distazein", und es beschreibt das Schwanken zwischen zwei Möglichkeiten.

Da gibt es Etwas, dass es schwer macht zu wählen.
Manchmal ist der Zweifel eine Weigerung, sich zu entscheiden.


Dennoch – wer glaubt, ist alles andere als fertig und er steht auch nicht still.

Es gilt einen Weg zu beschreiten.
Dieser ist manchmal mit Zweifeln und Selbstzweifeln gepflastert. Er ist nicht immer von vornherein klar ersichtlich und ob man am Ende seinen Platz im Leben wieder findet, steht in den Sternen.

Dennoch - der Ruf in die Nachfolge besteht unverändert.
Gerade dann, wenn es Zerbruch und Enttäuschung gab.

Der 1. Schritt auf dem Weg von Thomas ist raus aus der Einsamkeit.
In der Begegnung mit anderen können wir unseren Platz finden. Thomas fasst seinen Zweifel, ich meine auch seinen Schmerz, in Worte.

Wenn ich nicht selbst in seinen Händen die Stelle sehe, wo die Nägel hindurchgeschlagen wurden, und meinen Finger genau auf diese Stelle legen kann und mit meiner Hand seine Seitenwunde anfassen kann, dann werde ich es nicht glauben.!
(Johannes 20, 25)

Damals kam Jesus mitten unter seine Jünger und auch heute kann solch eine Begegnung stattfinden.

Jesus ist da, sieht den Schmerz, die tiefe Verletzung, den unbändigen Zweifel. Er nimmt das alles sehr ernst.

Jesus sieht Deine Verletzung. Jesus kennt Deinen Zweifel.

Thomas erkennt Jesu Wunden und darin werden seine eigenen Wunden heil.
In diesem Moment wird Leid von Leiden erlöst, Wunden von Wunden geheilt.
Die eigene Zerbrochenheit wird von Jesu allumfassender Zerbrochenheit geheilt.

Ann Voskamp schreibt:

„Vielleicht fühlt sich wahre Liebe so an - ein leichtes Zerbrechen des Herzens und gleichzeitig die überraschende Feststellung,
dass alle Bruchstücke wieder zusammengefügt werden und wir irgendwie wieder heil sind.“

Und so kann Thomas sein eigenes Glaubensbekenntnis formulieren. Er fasst in Worte, was ihm Jesus bedeutet.

Du bist mein Herr und mein Gott!

So lesen wir es in Johannes 20, 28

Ja, da ist Heilung geschehen.

 

 

Thomas macht sich auf, bis an die Enden der Welt. Ich bin mir sicher, dass er viel von Zerbruch und Heilung berichten konnte.

In der Bibel finden wir nicht mehr viel über ihn. Und doch geht sein Weg weiter. Viele alte Zeugnisse berichten davon, dass er bis nach Indien gegangen ist.

 

Nach allem Schmerz und manch dunkler Stunde hat Thomas sich aufgemacht.
Raus aus der selbst gewählten Einsamkeit hinein in die Gemeinschaft.
Dabei ist er Jesus begegnet und hat Heilung erfahren.
Das hat ihn motiviert seinen Platz einzunehmen.
Er ging dorthin, wo er gebraucht wurde. Und bis heute gibt es im Süden von Indien viele Thomas-Gemeinden die das mit ihrem Namen bezeugen.

Mein Herr und mein Gott
Das tiefe begreifen und ergreifen dieser Worte und eine unbändige Jesus-Liebe - das war Thomas Berufung – sein ganz persönlicher Platz in dieser Welt.

Ich möchte Dich einladen, Dich aufzumachen - heraus aus Deiner Einsamkeit, hinein in die Gemeinschaft, in die Gemeinschaft mit Jesus und vielleicht auch in die Gemeinschaft mit den Hannahs.

Ich bete, dass Jesus Deinen Zweifel wieder in das Bekenntnis "Mein  Herr und mein Gott" verwandelt.