Andacht Februar 2026
Winterzeiten

Die Worte auf dem Windlicht leuchten mir entgegen.
Ein hoffnungsvoller Zuspruch. Persönlich durfte ich immer wieder erleben, dass Gott Neues schafft, neue Wege bahnt, neue Möglichkeiten offenbart.
Zeitgleich denke ich an liebe Menschen, die sich nach diesem „Neuen“ sehnen, aber Stillstand erleben. Keine Veränderung in Sicht, nichts Neues, was sich anbahnt.
Ich bleibe an dem ersten Wort hängen - „Siehe“.
Siehe, schau hin, sei aufmerksam, achte darauf, pass auf.
All diese Aufforderungen haben etwas mit meiner Wahrnehmung zu tun, mit meiner Aufmerksamkeit.

Wie so oft, wenn ich nachdenke, wandert mein Blick aus dem Fenster. Heute bleibt er an den kahlen Zweigen des Zwetschgenbaumes hängen.
Noch sind es nur braune Äste, scheinbar ohne Leben, aber die Blätter und Blüten werden kommen. „Siehe, ich mache alles neu.“
Neu sieht also manchmal auch anders aus als erwartet.
Vielleicht steckst Du, wie mein Baum, gerade in einer sehr tristen, scheinbar leblosen Winterzeit. Manche Ereignisse entziehen einem das Leben, auch der unerfüllte Kinderwunsch kann solch ein Erleben sein.
Die Tage sind trüb und grau, kalt und leer.
Schmerz und Trauer legt sich wie eine schwere Decke auf uns und dämpft alle Geräusche. Worte der Ermutigung dringen nur schwer zu uns durch.
Alles Leben scheint gewichen.
Auch wenn der Winter sehr leblos daherkommt, so habe ich entdeckt, dass er auch etwas heilsames an sich hat.
Die kalte Jahreszeit ist eine Ruhephase für die Natur, ein Rückzug auf das Wesentliche.
Einjährige Pflanzen haben über das Jahr Samen gebildet, so dass mit dem Frühling Neues aufblühen darf. Sie selbst sterben ab.
Mehrjährige Pflanzen werfen allen Ballast von sich und konzentrieren das Leben und die Nährstoffe auf Knollen, dicke Wurzeln oder das Holz.
In den Winterzeiten des Lebens fehlt uns die Kraft für neue Projekte. Manchmal reicht es nur für das Wesentliche und ganz oft ziehen wir uns zurück.
Nicht immer gelingt der Rückblick auf das Gute, das wir erfahren durften. Alle Lebenskraft wird für das Hier und Jetzt gebraucht. Im Überlebensmodus lassen wir alle zusätzlichen und nicht notwendigen to do’s beiseite, fokussieren uns, ähnlich wie es die Pflanzen im Winter tun.
Es gibt Pflanzen, die sich nicht nur von ihren Blättern trennen, sondern auch von den schädlichen Dingen, die sich darin festgesetzt haben.
Kann es sein, dass winterliche Lebenszeiten uns auch in dieser Hinsicht herausfordern?
Wo sind Beziehungen, die mir nicht gut tun?
Welche Lebenslügen (z.B. ich bin nicht genug; ich kann das nicht; mich braucht keiner; …) gilt es zu entlarven?
Wo redet mir der Satan ein, dass Gott es nicht gut mit mir meint?
Wenn wir in diesen Lebens-Winterzeiten manchmal den Eindruck haben, nicht mehr weiter zu können, nicht mehr die Last tragen zu können, so ist dennoch Leben in uns. Gott ist es, der dieses Leben in unserem Inneren bewahrt. Hier denke ich an Worte aus Jesaja 42, 3:
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“

Kälte und und oftmals auch Frost gehören ebenfalls zum Winter.
Inmitten dieses Erlebens braucht es Wärmendes.
Der Natur schenkt Gott eine Decke aus Schneeflocken. Sie schützt das Erdreich, denn darunter bleiben die Temperaturen milder, so dass die feinen Pflanzenwurzeln nicht einfrieren.
Wir kuscheln uns oftmals Zuhause ein, mit einer warmen Tasse des Lieblingsgetränks.
Zur Glaubenserfahrung in winterlicher Zeit gehört die Einsamkeit, wobei es einen Unterschied macht, ob man allein und für sich oder wirklich einsam ist.1
Der selbst gewählte Rückzug hilft uns, unsere Gedanken zu sortieren, Erlebtes zu verarbeiten. Oftmals liegt etwas heilsames in diesen Zeiten.
Das Erleben von Einsamkeit hingegen fordert uns heraus, überfordert vielleicht manchmal sogar. Einsamkeit isoliert und lässt Kälte spüren.
„Auch, wenn zwei beieinander liegen, wärmen sie sich; wie kann ein Einzelner warm werden?“
Prediger 4, 11
Wir Menschen sind auf Beziehung hin geschaffen, auf Gemeinschaft, die uns auch durch diese winterlichen Lebensphasen hindurch bringt.
Wärmende Gemeinschaft kann ich in der Begegnung, dem Austausch mit Menschen erleben, die für mich beten, mich ermutigen, mir zur Seite stehen.
Gott hat in uns eine tiefe Sehnsucht nach sich selbst hineingelegt. Wir sind auf die Beziehung zu IHM hin geschaffen und so ist Er es, bei dem wir inmitten der Einsamkeit, der mitmenschlichen Kälte Zuflucht finden.
„Allein bei Gott findet meine Seele Ruhe, von ihm kommt meine Rettung.
Er allein ist mein Fels und meine Rettung, meine Festung, sodass ich sicher nicht zu Fall komme.“
Psalm 62, 2-3

Die Winterruhe, die frostigen Zeiten sind heilsam.
Das im Boden enthaltene Wasser gefriert. Das Eis dehnt sich aus und bricht dann die Erde auf. Somit wird das Erdreich aufgelockert und schafft so einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
„Denkt an den Regen und den Schnee! Sie fallen vom Himmel und bleiben nicht ohne Wirkung: Sie tränken die Erde und machen sie fruchtbar; alles sprießt und wächst. So bekommt der Bauer wieder Samen für die nächste Aussaat, und er hat genügend Brot zu essen. Genauso ist mein Wort: Es bleibt nicht ohne Wirkung, sondern erreicht, was ich will, und führt das aus, was ich ihm aufgetragen habe.“
Jesaja 55, 10-11
Auch wenn der Winter uns oft leblos erscheint, so ist er ein Ort an dem oftmals ganz unbemerkt Neues entstehen darf.
Und dann ist es an uns aufmerksam zu sein, hinzusehen und wahrzunehmen, dass Gott für alles den richtigen Zeitpunkt festgelegt hat.
Inmitten des Winters wird eine Zukunft vorbereitet, deshalb lohnt es sich in diesen Zeiten die Hoffnung festzuhalten.
Hoffnung bringt es fertig mit dem unbegreiflichen, und in dieser Zeit schweigenden Gott zu leben.
Seid ermutigt inmitten Eures Wintererlebens genauer hinzusehen und wahrzunehmen, dass Gott Neues schaffen wird, wie wir es auch in Jesaja 43, 19 lesen dürfen:
„Siehe, ich wirke Neues! Jetzt sprosst es auf.
Erkennt ihr es nicht? Ja, ich lege durch die Wüste einen Weg, Ströme durch die Einöde.“
Simone im Februar 2026
Bilder:
privat
https://pixabay.com/
Bibelübersetzungen:
Elberfelder Bibel
Lutherbibel
das buc
Zitat:
1) Ulrich H. J. Körtner (https://zeitzeichen.net/node/12262)
